Theater: Markt der Gefühle, Vermarktung der Gefühle, Theatermarketing

mio01-2013> Zukunft Theater

Yuki Mori – künstlerischen Leiter und Chefchoreographen von Theater Regensburg Tanz – lotet aus, in wie weit sich der Tanz eine eigene Realität jenseits der Gesetzmäßigkeiten von Zeit und Raum schaffen kann.

Es gab Zeiten, da schienen „Theater“ und „Marketing“ zwei Welten anzugehören, zwischen denen es keine Berührungspunkte gibt. Heute aber gibt es Studiengänge, Fachliteratur, Tagungen und Berufsbilder, die sich nichts anderem widmen, als – Theatermarketing.

Zum einen ist dies sicher die Reaktion auf ein wachsendes Mitbewerberfeld im Kultur- und Freizeitmarkt, zum anderen wurde die Chance erkannt, was Besucherakquise- und Bindung im Kultursektor bedeuten können. Und so ist Theatermarketing 2013 eine Selbstverständlichkeit, wenn auch nicht in der Art und dem Umfang, mit dem die freie Wirtschaft finanziell und personell das Marketing betreibt und lebt. Lassen Sie mich eines von vielen Beispielen anführen, das signalisiert, wo die Schwierigkeit in dem so attraktiv klingenden Theatermarketing liegt: Die Zielgruppe. Wir haben eine – und können diese auch ganz klar definieren: Alle. Wir, das Theater Regensburg, ein Stadttheater, wollen „Kulturversorger“ für Stadt und Umland sein. Für Jung und Alt. Für Experten und Theater-Neueinsteiger.

Es ist auch wesentlich für die Marketingdefinition, dass sich Theater in erster Linie nicht durch finanziellen Gewinn begründet und legitimiert, sondern durch den künstlerischen, ästhetischen, auch bildungs- und sozialpolitischen Gewinn. Dass das künstlerische Produkt also „unabhängig“ vom Zuschauer durch die Künstler entsteht. Das unabhängig steht in Anführungszeichen, weil jeder Spielplan, jedes Abonnement, jede Terminfestsetzung natürlich den Besucher / die verschiedenen Besucherschichten im Auge hat. Und natürlich lebt auch dieses Stadttheater von einem eigenfinanzierten Anteil, der durch klare Vorgaben festgesetzt ist.

Die noch bis Juli laufende Spielzeit 2012/13 stand unter dem Motto Ankommen: dem Neu-Sein in Regensburg, dem Suchen nach Geschichten, die die Stadt und die Region thematisieren. Wir sind jetzt hier und können konstatieren: Angekommen in einer Stadt, die ihr Theater liebt, die ihr Theater braucht und die sehr stark an ihrem Theater Anteil nimmt. Theater ist eine große Vision und will Visionen vermitteln. Theater lädt zu geistigen und emotionalen Reisen ein, entreißt uns dem Alltag und bringt uns auf neue Ideen. Theater ist kein geschützter Raum mehr. Die deutschlandweiten Standortdebatten haben Gott sei Dank Regensburg noch nicht erreicht. Das ist gut so und schafft eine angenehme Arbeitsatmosphäre. Hilfreich ist in diesem Zusammenhang sicherlich auch die überregionale Wahrnehmung des Theaters durch seine Produktionen und Künstler. Das Theater Regensburg hat sich in vielen Facetten präsentiert. Wir wollten unseren Begriff und unsere Vorstellungen von Theater mit dem Publikum teilen, haben über Sichtweisen und Interpretationen diskutiert. Und wir haben gefeiert: der Theaterball ist zurück gekehrt in das Theater am Bismarckplatz und wir alle hatten eine rauschende Ballnacht voller Tanz, Freude und glanzvollen Impressionen. Schön war’s!

Die zweite Spielzeit knüpft thematisch an die erste an. Man wird Vertrautem und Bekannten begegnen. Aber natürlich wollen wir auch zu Neuem und Unbekanntem verführen. Neu ist beispielsweise eine erstmalige Kooperation mit der Münchner Biennale, dem europäischen Festival für zeitgenössisches Musiktheater. Der junge kanadische Komponist Samy Moussa gibt mit „NICHTUNG – Nach der Wahl ist vor der Wahl“ sein Debüt in München und Regensburg. Neu ist auch, dass wir mit den Regensburgern gemeinsam Theater spielen wollen: anlässlich „350 Jahre Immerwährender Reichstag“ werden wir in einem Bürgertheaterprojekt auf der Grundlage von historischen Protokollen die Geschichte(n) der Gesandtenkongresse am Originalschauplatz lebendig werden lassen. Unsere Suche nach außergewöhnlichen Spielorten hat uns diesmal ganz urban in die Gefilde der Firma „Walhalla-Kalk“ geführt, um dort Beethovens epochale 9. Sinfonie aufzuführen. Auch das ist Marketing: gewohntes Terrain verlassen und neues erkunden. Besucher überraschen. Mit dem Programm „Dein: Theater!“ wollen wir uns noch konkreter und bewusster dem Bildungsauftrag stellen: Schulen aus Regensburg und der Region gehen eine vertragliche Partnerschaft mit dem Theater ein. Das bedeutet: Inhalte und Formen von Theater aller Sparten werden noch nachhaltiger vermittelt. Das Theater als Zentrum kultureller Aktivitäten will die gerade bei jungen Menschen vorhandenen Hemmschwellen abbauen und spielerisch soziale und gesellschaftliche Werte vermitteln. Lust und Laune stehen dabei im Vordergrund.

Das Philharmonische Orchester bildet nicht nur das musikalisch größte Kollektiv, sondern auch den Mittelpunkt des Theaters und es wird sich zukünftig verstärkt in der Region präsentieren. Nahezu tänzerisch leicht hat es Yuki Mori mit seiner Company geschafft, sich eine Fangemeinde zu erarbeiten. Ganz gleich, ob Musiktheater, Schauspiel, Tanz oder Junges Theater – die Akzeptanz aller neuen Künstler in Regensburg ist hoch, wie man sie sich nur wünschen kann. Marketing als Identifikation? Auch das.

Theater lebt von Partnerschaften, egal ob Abonnent oder Förderer und Stifter. Ohne Allianzen (auch das ist Marketing…), ohne Freundesvereine, Stiftung und Sponsoren wäre der Theaterbetrieb nicht im aktuellen Umfang denkbar. Theater lebt aber vor allem von einem Star: Dem Ensemble in den jeweiligen Sparten. Nicht zu vergessen die vielen Mitarbeiter in den Gewerken und der Verwaltung. Also (aktive Kundenansprache): Bleiben Sie unserem, Ihrem Theater Regensburg treu. Entdecken Sie das Theater Regensburg immer wieder neu. Es lohnt sich!

Finden wir einfach gemeinsam heraus, ob Wert und Verwertbarkeit wirklich so unvereinbar sind, wie früher Theater und Marketing schienen. Theatermarketing hat viel mit Vermittlung und Kommunikation zu tun. Insofern lade ich Sie herzlich ins Theater am Bismarckplatz ein, ins Velodrom, in den Haidplatz, Turmtheater, Thon-Dittmer-Palais…


Empfehlen Sie uns weiter

© 2019 mio-magazin.de ist eine Website des Marketing Clubs Regensburg e.V.