Top-Qualität direkt um die Ecke

mio02-2013> nimm‘s regional.

Bereits über 100 ausgewählte Geschäfte in Regensburg und der Region haben ihr Sortiment mittlerweile um frische lokale Spezialitäten ergänzt.

Lebensmittel aus der unmittelbaren Umgebung erfreuen sich in Verbraucherkreisen allergrößter Beliebtheit. Die Vorteile regionaler Erzeugnisse liegen klar auf der Hand: Sie garantieren den Kunden kurze Transportwege und damit Frische.

Der Weg der Produkte vom Erzeuger über den Verarbeiter bis zum Verbraucher ist nachvollziehbar; darüber hinaus verstärkt die räumliche Nähe zu den Erzeugern das Vertrauen in die Sicherheit und Qualität der Produkte. Positiver Nebeneffekt: Der Käufer sorgt dafür, dass die Wertschöpfung aus Produktion, Handel und Gewerbe in der Heimat bleibt. Und das wiederum sichert Arbeitsplätze.

Zehn Jahre ist es nun schon her, seit die Werbeagentur creativconcept ein spezielles Logo für den Landkreis Regensburg konzipierte, das zukünftig als Herkunftsnachweis für regionale Produkte fungieren sollte. Ein grüner Kreis mit weißem Doppelrand, in dessen Zentrum ein weißes R – wie regional und Regensburg – in einem weißen Q – wie Qualität – thront, in der oberen Hälfte der Schriftzug „Regensburg Land“, in der unteren „nimm‘s regional.“ und fertig war das Logo, mit dessen Hilfe der Bürger nun auf den ersten Blick erkennen soll, dass das, was er da kaufen möchte, in seiner Heimatregion produziert wurde.

Gegenstand dieses Unternehmens sollte die Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung des Landkreises auf dem Gebiet der Regionalvermarktung sein. Das Projekt, das vorhandene Strukturen bündelt und so die Ressourcen der Heimatregion stärkt, gilt als eine kleine Bewegung gegen die Globalisierungstendenzen der Gesellschaft.

Aus den 22 Metzgereien, die schon gleich nach Bekanntgabe des Projekts ihre Beteiligung signalisierten und in Ihren Läden so genannte Regionaltheken mit regionalen Spezialitäten einrichteten, sind mittlerweile über 100 ausgewählte Geschäfte in Regensburg und der Region geworden. Darunter wollen auch Lebensmittelgeschäfte und Filialen großer Supermarktketten, die neben ihrem handelsüblichen Sortiment verschiedene Nudel- und Mehlsorten sowie Brotaufstriche, Öle, Weine, Sauerkraut etc. aus der Region in ihren Regalen platzieren, das Bewusstsein für frische lokale Produkte wecken.

So viel Popularität und Erfolg ziehen immer weitere Kreise: fair & regional, ein Zusammenschluss beheimateter Unternehmen in Berlin und Brandenburg, engagiert sich seit 2007 in der Region für die Herstellung, Verarbeitung und den Handel ökologisch produzierter Lebensmittel. Auch die Initiativen „Original Regional“ im Nürnberger Raum und „Nimm‘s RegRonal“ im Raum Rosenheim-Chiemsee werben mit qualitativ hochwertigen Produkten direkt vom Erzeuger um die Ecke. Seit 2012 bietet die Lebensmittel- Kette Rewe unter dem Eigennamen „Rewe Regional“ saisonales Obst und Gemüse an, das von regionalen Erzeugern stammt.

Bio, regional oder beides? Was sagt die Öko-Bilanz?

Die Bio-Erdbeere aus Spanien oder die konventionelle Erdbeere aus der Region – welche von beiden ist eigentlich die umweltschonendere Variante? Beschäftigt man sich mit nachhaltiger, klimafreundlicher Ernährung, stößt man auf überraschende Erkenntnisse – und auf den Begriff der Öko-Bilanz.

Die Öko-Bilanz verrät, wie verträglich ein Produkt für das Klima ist. Sie rekonstruiert den gesamten Lebenslauf eines Produktes vom Anbau über den Transport und die Herstellungsbedingungen bis zur Verpackung und Entsorgung und dokumentiert präzise, wie ressourcenschonend es sich dabei verhält. Generell lässt sich feststellen, dass ökologisch angebaute Produkte unterm Strich deutlich besser abschneiden als konventionell angebaute. Auf die Bio-Produkte aus fernen Ländern, die beim Transport durch mehrere Klimazonen geschleust werden, trifft das allerdings nicht zu – hier ist die Öko-Bilanz trotz 1A-Bio-Qualität alles andere als im grünen Bereich. Wie viele Emissionen beim Anbau der Bio-Produkte entstehen und wie viel Energie beim Transport mit dem Flugzeug, bei der Kühlung und Lagerung tatsächlich aufgebracht werden muss, erahnen die Verbraucher meist nicht. Was übrig bleibt, ist das gute Gewissen, gesunde und vermeintlich faire Bio-Produkte zu kaufen und im Sinne der Umwelt zu handeln.

Laut verschiedenster Expertenmeinungen können selbst regionale Produkte, nämlich dann, wenn sie nicht saisonal geerntet und verkauft werden, eine negative Öko-Bilanz aufweisen. Wer in den Wintermonaten frische Erdbeeren aus der Region genießt, muss damit rechnen, dass diese unter enormem Energieverbrauch im beheizten Treibhaus heranreifen. Ebenso verhält es sich beispielsweise mit heimischen Bio-Äpfeln, deren Öko-Bilanz nach Monaten im Kühlhaus erheblich schlechter ist als bei einem Bio-Apfel aus Übersee. Unter Umständen könnten dann sogar importierte biologisch angebaute Erdbeeren und Äpfel die umweltfreundlichere Wahl sein. Konsumieren sollten Verbraucher nach Möglichkeit saisonale regionale Lebensmittel aus ökologischem Anbau – diese haben nach wie vor die beste Klimabilanz.

mio im Interview mit Landrat Herbert Mirbeth

mio: Herr Mirbeth, fast zehn Jahre ist es nun her, seit Sie die Initiative „nimm‘s regional“ ins Leben gerufen haben. Wie hat sich das Projekt aus Ihrer Sicht bis heute entwickelt? Und warum lohnt es sich für Verbraucher, lokale Produkte zu kaufen?

Landrat Mirbeth: Auch wenn unterschiedlichste gesellschaftliche Tendenzen das Verbraucherverhalten beeinflussen und eine Zunahme von Fastfood und Wegwerfartikel nicht wegzudiskutieren sind, haben die Bedeutung hochwertiger heimischer Produkte und das Qualitätsbewusstsein in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Menschen wollen wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen. Zum bewussten Umgang mit unserem Lebens- und Kulturraum gehört es, heimische Lebensmittel einzukaufen, regional verfügbare Rohstoffe zu verwenden und regionale Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe zu beauftragen. In der Region erzeugte, verarbeitete und vermarktete Produkte dienen dem Erhalt der klein- und mittelständischen Betriebe und erhöhen die Wertschöpfung. Frische regionale Produkte auf der Speisekarte der Gastronomie zeigen die regionale Vielfalt und tragen zum Erhalt unserer bäuerlichen Kulturlandschaft bei. Denn regionales Wirtschaften ist ökonomisch sinnvoll, weil die Kaufkraft in der Region bleibt, ist sozialverträglich, weil Arbeitsplätze gesichert werden und ist ökologisch von Bedeutung, weil umweltbelastende Transporte vermieden werden.

mio: Regionalentwicklung ist das zentrale Thema Ihrer Landkreispolitik. Was ist für die Zukunft in Sachen Regionalvermarktung geplant, um der steigenden Nachfrage nach regionalen Produkten gerecht zu werden?

Landrat Mirbeth: Auch wenn im Landkreis Regensburg derzeit eine gute, flächendeckende Nahversorgung gegeben ist, müssen wir sich abzeichnende künftige Defizite ernstnehmen und über neue Konzepte der Nahversorgung vor Ort nachdenken. Angesichts der demografischen Entwicklung könnte etwa ein mobiler Handel mit regionalen Partnern die Lücken der Nahversorgung im ländlichen Raum schließen und zugleich die Direktvermarkter stärken. Generell gilt: Die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe, die Absatzsteigerung regionaler Produkte und die Erschließung des vorhandenen Marktpotenzials werden auch in Zukunft die Arbeit der Regionalentwicklung maßgeblich prägen.


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