Volker Kronseder im Interview mit Carola Kupfer

mio02-2013> Krones AG

Volker Kronseder, Ehrendoktor der Fakultät für Maschinenwesen der TU München, beschäftigt sich seit den achtziger Jahren mit Nachhaltigkeit in der Wirtschaft.

Nachhaltig denken und handeln ist ökonomisch, macht Spaß und ist für uns eine Selbstverständlichkeit.

Carola Kupfer: Herr Kronseder, das Thema Nachhaltigkeit ist auch bei der Krones AG ein fester Bestandteil der Unternehmensleitlinien – wie bei anderen Global Playern auch. Wird der Begriff nicht völlig überbewertet, weil er eigentlich selbstverständlich sein sollte? Oder vor allem strategisch in der Kommunikation eigesetzt?

Volker Kronseder: Ja und nein! Natürlich wäre jeder Unternehmer ein Narr, wenn er nicht von vorneherein eine gewisse Lebensdauer und Erfolg für sein Geschäft, seine Aktien und sein unternehmerisches Wirken einplanen würde. Das hat mein Vater erfolgreich begonnen und gehört zu Krones seit jeher dazu. Von daher ist „Nachhaltigkeit“ in diesem Verständnis eine Selbstverständlichkeit.

Für uns gibt es aber weitaus mehr Facetten von Nachhaltigkeit, die nicht nur in den Unternehmensleitlinien stehen, sondern von uns allen gelebt werden! Krones realisiert nachhaltiges Denken und Handeln ökonomisch, was sich sichtbar im wirtschaftlichen Erfolg niederschlägt, aber eben auch ökologisch und sozial. Da sind wir in vielen Bereichen Vorreiter. Natürlich wissen wir, dass der Begriff mittlerweile auch zum „guten Ton“ eines Betriebs gehört – doch für uns als Familienunternehmen steckt dahinter viel mehr.

CK: Sie betonen die Tatsache, dass Krones familiengeführt ist. Hat dieses Detail in Sachen Nachhaltigkeit tatsächlich einen besonderen Stellenwert?

Volker Kronseder: Auf jeden Fall! Für Familienunternehmen sind die sozialen Aspekte von Nachhaltigkeit besonders wichtig. Soziale Verantwortung wird in solchen Betrieben aus Tradition großgeschrieben – auch aus eigenem Interesse. Wer sich in einem Unternehmen sicher und wohl fühlt, arbeitet engagierter. Das ist für beide Seiten eine nachhaltige Win-win-Situation.

CK: Was sind denn bei Krones die Highlights in Sachen „soziale Nachhaltigkeit“?

Volker Kronseder: Da gibt es einige: angefangen bei der Standortsicherung Deutschland – was für international tätige Unternehmen nicht immer selbstverständlich ist – über soziale Projekte im Ausland bis hin zu Ausbildungsprogrammen, einer gezielten Frauenförderung und natürlich KROKI. Unser soziales Engagement im Ausland ist durch die Medien ja ziemlich präsent, ich nenne es aber der Vollständigkeit halber: Mit erheblicher Unterstützung von Krones konnte zum Beispiel in Nepal eine Zahnklinik gebaut und eingerichtet werden. Außerdem haben wir uns in der Vergangenheit bei Wasserprojekten eingebracht. Mit unseren speziellen Programmen für Familien und Frauen berücksichtigen wir die gesellschaftliche Entwicklung, indem immer mehr Frauen trotz Familie und Kindern eine langfristige Beschäftigung bei Krones ermöglicht wird. Das fängt an bei flexiblen Arbeitszeitmodellen und Home-Office-Optionen, geht über Wiedereinsteiger-Modelle für Mütter bis hin zu unserem „ff-frauen führen“-Programm, das deutschlandweit Chancengleichheit für Frauen in Führungspositionen fördert. Außerdem unterstützen wir sogenannte „Sabbaticals“, damit unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Bedarf „auftanken“ können. Hinzu kommen unsere „Cross-Border-Programme“, die den kulturellen Austausch und die globale Marktkenntnis fördern – und damit nachhaltig ein internationales Verständnis entstehen lassen.

CK: Sie nannten KROKI und eine gezielte Frauenförderung – habe ich das richtig verstanden, dass Frauen bei Krones ein Nachhaltigkeitsfaktor sind?

Volker Kronseder: Ja unbedingt. Wir brauchen die Frauen in Zukunft viel mehr auch in Führungspositionen – da darf es keine Rolle spielen, ob sie Kinder und Familie haben oder nicht. Deshalb bieten wir mit KROKI auch nicht nur eine dem Unternehmen angegliederte Kindertagesstätte, sondern auch einen Kindergarten. Am liebsten wäre es unserer Projektleiterin für ff-frauen führen und Pressesprecherin Danuta Kessler-Zieroth (Foto), wenn wir uns über die gesamte Schulzeit um die Kinder und Jugendlichen unserer Betriebsangehörigen kümmern könnten, aber so weit sind wir leider noch nicht. Für mich entscheidend ist, dass wir es schaffen, in Zukunft mehr Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. Eine Quote allein hilft hier nicht, das duale Studium ist aber ein richtiger Weg. Immerhin sind hier bereits 40 % der Studenten weiblich, das lässt hoffen. Mit flexiblen Arbeitszeitmodellen und gezielter Förderung können wir hoffentlich viele davon halten!

CK: Frauenförderung ist ja ein typisches Personalthema – und auch das Thema Nachhaltigkeit seit einiger Zeit in den Personalabteilungen angekommen. Der demografische Wandel wird hier stets als wichtiger Motor genannt. Was versteht die Krones AG unter nachhaltigem Personalmanagement?

Volker Kronseder: Das, was Krones immer darunter verstanden hat: möglichst viele junge Menschen gut auszubilden, sie im fertigen Beruf regelmäßig weiter- oder fortzubilden, dabei ihre Eigenverantwortung und Kreativität zu fördern und sie nach ihren Möglichkeiten individuell im Unternehmen einzusetzen. Der viel beschworene demografische Wandel ist eine Tatsache und nichts Neues – schließlich war die Entwicklung seit Jahren abzusehen. Für uns ist es daher wichtig, die sicherlich weniger werdenden guten Bewerber/innen durch gute Personalkonzepte zu überzeugen und sie mit interessanten Angeboten langfristig in unser Unternehmen zu holen. Denn davon profitieren letztendlich alle.

CK: Zurück zum Nachhaltigkeitsbegriff, wie er klassischerweise verstanden wird – nämlich ökologisch. Wo liegen hier die Stärken der Krones AG?

Volker Kronseder: Da muss man zunächst differenzieren zwischen den Produkten selbst und dem Umgang mit Menschen und Standorten, um die wichtigsten Bereiche zu nennen. Ich beginne einfach einmal mit den Produkten: Mit unserem Enviro-Programm haben wir die internationale Messlatte in puncto Nachhaltigkeit hoch gesetzt. Enviro verfolgt nach strengen Vorgaben das Ziel, einen Industriestandard für die Energie- und Medieneffizienz sowie die Umweltverträglichkeit der Maschinen zu schaffen. Wichtige Parameter sind dabei Leistung, Ressourceneinsparung, Ergonomie und Rentabilität – und zwar von der Forschung und Entwicklung eines Systems bis hin zum Vertrieb. Wir richten alle Neuentwicklungen danach aus und sind seit 2009 TÜV SÜD zertifiziert: für Enviro und unser Integriertes Managementsystem (IMS). In dem IMS-Zertifikat, das weltweit höchste Anerkennung erfährt, sind Qualität, Umweltschutz und Arbeitssicherung sowie Nachhaltigkeitsaspekte zusammengefasst. Mit diesen Zertifizierungen sind wir auch im Bereich Nachhaltigkeit Marktführer. Außerdem haben wir einen so genannten Lieferanten-Kodex, der nachhaltiges und gesellschaftlich verantwortliches Wirtschaften weltweit überwacht. Er umfasst die Themen Sicherheit, Gesundheit, Umwelt, Qualität, Menschenrechte, Mitarbeiterstandards sowie Antikorruption. Dieser Kodex ist Teil der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von Krones – und muss von unseren Lieferanten unterschrieben werden. In regelmäßigen Abständen überprüfen wir das auch. Was die Standorte selbst betrifft – da setzen wir überall auf eine kluge Energiepolitik, schonende Logistiksysteme, eine intelligente Gebäudeleittechnik und natürlich Ausgleichsflächen, wenn wir neu bauen. Hier in Neutraubling kann man das gut sehen und erleben.

CK: Nun hat die Krones AG als Global-Player Standorte weltweit – auch in Ländern, die man nicht zwingend mit der Idee verbindet, nachhaltig zu denken und zu handeln. Was tut die Krones AG, um auch dort den eigenen Unternehmensleitlinien treu zu bleiben? Wo gibt es möglicherweise Grenzen?

Volker Kronseder: Grenzen sind uns dort gesetzt, wo politische Verhältnisse bestimmte Voraussetzungen bringen. Doch intern bei Krones vor Ort gelten selbstverständlich die gleichen Regeln, wie hier. Wir setzen allerdings gerade in Schwellen- oder Entwicklungsländern ganz besonders stark auf die Ausbildung. So verbessern wir die Chancen und beruflichen Perspektiven der Menschen vor Ort – und gewinnen langfristig Spezialisten, die sich in den unterschiedlichen Märkten gut auskennen. Übrigens sind wir teilweise auch im Ausland IMS-zertifiziert – in Brasilien zum Beispiel.

CK: Wie kontrolliert man eigentlich Nachhaltigkeit im Unternehmen? Wer ist im Unternehmen verantwortlich für das Thema?

Volker Kronseder: Die Verantwortung für das Thema Nachhaltigkeit ist auf viele Schultern verteilt. Letztendlich laufen alle Fäden in unserem CSR-Komitee zusammen. Dieses Komitee steuert die globalen Nachhaltigkeitsaktivitäten von Krones. Es trifft sich viermal pro Jahr und diskutiert jeweils Schwerpunktthemen. Aus dem Komitee kam beispielsweise Anfang 2012 die Empfehlung, dem UN Global Compact beizutreten, was wir dann auch getan haben. Das CSR-Komitee ist auch für den Nachhaltigkeitsbericht der Krones AG verantwortlich, der einmal pro Jahr erscheint und alle Aktivitäten zu diesem Thema detailliert beschreibt. Das ist nicht zuletzt für unsere Kunden wichtig – schließlich wollen wir transparent machen, dass Krones deutlich mehr tut als andere!

CK: Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Gibt es in Sachen Nachhaltigkeit ein Lieblingsthema von Volker Kronseder?

Volker Kronseder: Ja, das gibt es: die PETFlasche. PET ist ein hochinteressanter Wertstoff, der weltweit noch längst nicht ausreichend recycelt wird. In Nordeuropa ist die Quote mit durchschnittlich 90 % Rücklauf ganz gut, was aber am Pfand liegt. Auch in China liegt sie bei immerhin 80 %. In Südeuropa hingegen sind wir nur bei 30 %, was bedeutet, dass 70 % eines tollen Kunststoffes einfach irgendwo verschwinden! Dabei sind die Recycling-Möglichkeiten für PET extrem gut – und unsere Anlagen sind mittlerweile in der Lage, durch Bottle-to-Bottle- Recycling, also die Wiederverwendung von gebrauchten PET-Flaschen zur Herstellung von PET-Flaschen, den Energieeinsatz um bis zu 50 % zu reduzieren. Da liegt noch richtig viel Potenzial und ich wünsche mir, dass Krones in Zukunft noch viel dazu beitragen kann, hier einen globalen Nachhaltigkeitsgedanken zu fördern.

CK: Das wird man sicherlich aufmerksam verfolgen, davon bin ich überzeugt. Herzlichen Dank für das Interview.


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