Cluster: Kompetenz-Zentren der Zukunft

mio01-2013> Zukunft Bayern

Vernetzung verschiedener Unternehmen kann wie in einem Computernetzwerk viele Vorteile bringen

Gemeinsam ist man stärker! So könnte der Leitgedanke aller in einem Wirtschaftscluster beteiligten Unternehmen lauten. Aber wie erfolgsversprechend sind die Cluster für den wirtschaftlichen Erfolg einer Region tatsächlich?

Vorbild Silicon Valley

Schon in der Vergangenheit haben sich Wirtschaftscluster häufig als Garant für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens, einer Region, eines ganzen Landes bewährt. Eines der weltweit ökonomisch erfolgreichsten Cluster ist die High-Tech-Hochburg Silicon Valley, am südlichen Ende der San Francisco Bay in Westkalifornien gelegen, wo IT-Unternehmen, Spitzenuniversitäten und Finanziers in einmaliger Weise zusammenwirken. Vor ihrem Zusammenschluss im Silicon Valley standen einige der dort heute ansässigen Unternehmen schon kurz vor dem Aus, stiegen aber dank der Subventionen der amerikanischen Regierung und des Verbunds im Cluster wie Phönix aus der Asche.

Optimale Rahmenbedingungen 

Gemeinsam Ideen entwickeln, Wissen austauschen. Stärken nutzen, innovativ agieren, Kapazitäten mobilisieren. Neue Arbeitsplätze schaffen, aus einem riesigen Pool an Fachkräften und Zulieferern schöpfen und aus effektiver Arbeitsteilung potenzielle Vorteile für alle generieren. Transportkosten „deckeln“, neue Märkte erschließen. Die Vernetzung im Cluster-Verbund ermöglicht optimale Rahmenbedingungen für alle Beteiligten und kann sowohl für die einzelnen Institutionen und Akteure als auch für die gesamte Region äußerst gewinnbringend sein. Vornehmlich kleine und mittelständische Unternehmen profitieren vom Agglomerations-Gedanken: Die Kooperation mit den großen Unternehmen und Forschungsinstituten begünstigt Produktions- und Innovationspotenziale des eigenen Betriebes nachhaltig. Synergieeffekte lassen Kosten- und Wettbewerbvorteile geradezu in die Höhe schießen. Besonders ein gemeinsamer Standort kann die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen und ihre Neupositionierung auf dem Markt positiv beeinflussen. „Der Clusterpolitik liegt der – von Michael Porter formulierte – Grundsatz zugrunde, dass die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen in einer globalen Wirtschaftsordnung klar von lokalen Faktoren abhängt“, erklärt der Sprecher des Bayerischen Wirtschaftsministeriums. „Die räumliche Nähe zu Zulieferern, Hochschulen und Forschungseinrichtungen, aber auch zu Mitbewerbern macht Unternehmen in Clustern produktiver und innovativer. Die Möglichkeit zum persönlichen Austausch und zu informellen Treffen ist auch in einer vernetzten Welt ein wichtiger Standortvorteil.“ 

Cluster-Offensive Bayern

Deutschland hat in den letzten Jahren der Clusterbildung eine immer größer werdende Bedeutung beigemessen und fördert sie mit staatlichen Initiativen. Auch die Landesregierungen selbst haben eigene Cluster-Programme auf die Beine gestellt, um keine Ressourcen zu verschwenden. In Bayern gibt es derzeit 19 landesweite Clusterplattformen, 16 davon erhalten aktuell eine staatliche Förderung. Die Clusterplattformen werden von einem oder mehreren ehrenamtlichen Clustersprechern und einem hauptamtlichen Clustergeschäftsführer mit seinem Team geleitet. Ihre Kernkompetenzen liegen darin, die Vernetzung in den jeweiligen Branchen oder Technologiefeldern aktiv voranzutreiben. Hierzu organisieren die Clusterplattformen zahlreiche Veranstaltungen und Netzwerktreffen. Seit dem Start der Cluster-Offensive im Jahr 2006 wurden bereits fast 6.000 Veranstaltungen mit über 300.000 Teilnehmern durchgeführt. Über 5.000 Unternehmen nehmen regelmäßig an den Aktivitäten der Cluster teil. Mehr als 700 gemeinsame Projekte, darunter zahlreiche Forschungs- und Entwicklungsprojekte, sind das Ergebnis der Vernetzungsaktivitäten der Cluster. Daneben sind die Cluster auch aktiver Partner der bayerischen Ansiedlungs-Agentur „Invest in Bavaria“ und unterstützen Unternehmen gemeinsam mit den anderen Akteuren der Außenwirtschaftsförderung beim Schritt auf die Auslandsmärkte.

Zukunft der bayerischen Cluster

Eine kleine Erfolgsgeschichte schreiben die Cluster, die in Ostbayern besonders aktiv sind. Zu den wirtschaftlich erfolgreichsten in der Region zählen zweifelsohne der Cluster Sensorik und der Cluster Umwelttechnologie. Der Cluster Sensorik mit seiner Geschäftsstelle in Regensburg hat sich zu einer zentralen Kooperationsplattform für Unternehmen im Sensorik-Bereich entwickelt. Die Clusterplattform unter Leitung des Cluster-Geschäftsführers Dr. Hubert Steigerwald organisiert Gemeinschaftsstände auf Messen, unterstützt Unternehmen bei der Mitarbeitersuche durch eine Personalbörse, führt zahlreiche Veranstaltungen durch, u. a. einen Lehrgang zum Thema Innovationsmanagement, und koordiniert Forschungs- und Entwicklungsprojekte. 

Der Cluster Umwelttechnologie brachte im Projekt „sludge to energy“ mehrere Unternehmen zusammen, um Energie aus Klärschlamm via Monoverbrennung zu gewinnen. Mit der Kläranlage Straubing vermittelte er einen Standort für ein Pilotprojekt für diese wirtschaftliche und nachhaltige Verwertungsmethode. Angesichts des wachsenden Bedarfs an thermischer Klärschlammverwertung in vielen Ländern gründeten die Partnerfirmen das Gemeinschaftsunternehmen sludge2energy GmbH, das zukünftig kundenorientierte Lösungen für den weltweiten Markt anbieten wird.

Im Hinblick auf die Zukunft der bayerischen Cluster zeigt sich der Sprecher des Bayerischen Wirtschaftsministeriums äußerst zuversichtlich: „Die bayerischen Cluster werden ihre Vernetzungsangebote und Dienstleistungen in ganz Bayern und speziell auch in Ostbayern weiter ausbauen und dabei an den besonderen wirtschaftlichen Stärken der Regionen, zum Beispiel im Automobilbau oder im Mechatronik-Bereich anknüpfen.“ Die Cluster benötigen dabei ein „offenes Ohr“ für Zukunftsthemen, die dann mit den Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen aktiv vorangetrieben werden können. Ein Beispiel hierfür ist die Schwerpunktbildung des Automobil-Clusters im Bereich „Elektromobilität“.

Cluster – ein Allheilmittel der deutschen Wirtschaft?

Sind also Cluster generell ein Allheilmittel für den wirtschaftlichen Erfolg einer Region? „Nein“, betont der Experte. „Ebenso wie im Silicon Valley kommt es auch bei den Clustern in Deutschland bzw. Bayern in erster Linie auf die Leistungs­fähigkeit der Unternehmen selbst an. Wenn aber Unternehmen in Clustern auf ein dichtes Netz von spezialisierten Zulieferern, Partnerunternehmen und einschlägigen Forschungseinrichtungen zugreifen können, dann kann dies den Erfolg der Unternehmen nochmals deutlich steigern. Cluster binden Unternehmen an eine Region und wirken wie ein Magnet für qualifizierte Kräfte und neue Unternehmen. Damit verstärken sich Clusterstrukturen gewisserweise selbst und sind von anderen Regionen nur schwer zu kopieren.“


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