Multi- Channeling

mio01-2013> Zukunft Handel

Viele Wege führen zum Ziel: Rolltreppen im Einkaufszentrum zum Geschäft ebenso wie Medienkanäle zum Kunden

Der Kunde trennt nicht mehr zwischen Kanälen – eine Verschmelzung der Kommunikations- und Verkaufskanäle entsteht.

Online, Offline oder Mobile?

Die gute Nachricht vorweg: Allen Unkenrufen zum Trotz wird der stationäre Einzelhandel in den kommenden Jahren nicht aussterben und gänzlich vom E-Commerce verdrängt werden. Die Menschen werden auch in Zukunft in die City zum Shopping gehen. Doch die Art und Weise wie eingekauft und verkauft wird, verändert sich in Zukunft grundlegend. Was momentan unter dem Stichwort Multi- oder Omni-Channeling durch alle Gazetten geistert, ist nur die Folge daraus, dass der Kunde nicht mehr sauber zwischen den Kanälen Online, Offline und Mobile trennt. Er wählt situativ jenen Kanal, der gerade am bequemsten ist oder am meisten Spaß bringt. Der Handel der Zukunft definiert seine Rolle durch diese Verschmelzung der Kommunikations- und Verkaufskanäle neu.

Der Point of Sale verwandelt sich

Das Ladengeschäft ist nur noch ein Touchpoint zum Kunden und das verändert die Position des Stores in der gesamten Konsumkette. Gekauft wird nicht mehr nur dort vor Ort, sondern in verstärkten Maße auch im Netz oder auch im Wechsel der Kanäle: Der Kunde informiert sich online über ein Produkt und kauft dann offline im Laden; aber natürlich auch umgekehrt. In Zukunft muss sich der Einzelhandel auf seine Stärken besinnen und die Möglichkeiten, die Online und Mobile Commerce bieten, auch zu seinem Vorteil nutzen. Das bedeutet:

  • Der stationäre Einzelhändler muss im Netz präsent und auffindbar sein.
  • Rückbesinnung auf einzigartigen Service und Beratung als klarer Wettbewerbsvorteil.
  • Nutzung von Technologie am PoS, um Shopping-Erlebnisse zu generieren.
  • Regionalisierung der Handelskonzepte, um Nähe zu Kunden und seinen Bedürfnissen zu ermöglichen.
  • Wandel des Point of Sale zum sozialen und kulturellen Hotspot.

„Das Wir entscheidet“ im Handel

Einer der ganz großen Vorteile des stationären Handels ist die Tatsache, dass Einkaufen nicht isoliert vor dem Computer, sondern in Gesellschaft passiert. Shopping ist in gewissem Sinne eines der letzten Gemeinschaftserlebnisse. Und danach sehnen sich die Menschen immer mehr, was die große Nachfrage nach Public Viewing- Events deutlich zeigt. Ein Händler verkauft in Zukunft nicht nur Produkte, sondern vor allem auch sozialen Austausch. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Apple-Stores, in denen nicht nur ständig Workshops, sondern auch Lesungen, Konzerte und andere kulturelle Events stattfinden. Es geht dabei um viel mehr als um ein Unterhaltungsangebot: Apple hat mit seinen Läden für die vielen, verstreuten Kreativen eine Heimat erschaffen, wo man Kontakte knüpft und zu neuen Ideen kommt. Und wer verweilt, der kauft auch: Kein Ladenkonzept generiert mehr Umsatz als das von Apple – und das in einem Bereich, von dem man ausging, er würde komplett ins Netz verschwinden.

E-Commerce zeigt seine zwei Gesichter: Preis und Nische

Der Boom des Online-Handels wird auch in den nächsten Jahren noch weiterhin anhalten. Bequemes Shopping von Zuhause, Lieferung frei Haus sowie die günstigen Preise bleiben Argumente für den Online-Kauf. Doch der Online-Handel wird sich in Zukunft stark ausdifferenzieren: Neben den großen Online-Marktplätzen, die alle gängigen Produktsegmente anbieten und reinen Markenshops, werden mittelständische Online- Händler mehr und mehr verschwinden, weil sie die Schlacht um den Preis gegen die Großen nicht mehr gewinnen können. Dagegen werden kleine, innovative Kreativshops die mannigfaltigsten Blüten in den Nischen treiben: der Online-Shop für handgefertigte Surfbretter, die Plattform für antiquarische Küchenutensilien, der Bestell-Shop für fair gehandelte Gewürze. Außergewöhnliche, emotionalisierende Retailkonzepte können gut in der Online-Nische überleben.

Guter Service wiegt mehr als ein guter Preis

Keine Frage: Der Preiskampf im Handel findet in Zukunft vor allem im Netz statt. Schließlich ist der günstigere Anbieter nur einen Klick weit entfernt. Dabei darf man aber nicht vergessen: Logistik ist der Faktor, der über den E-Commerce der Zukunft entscheidet. Amazon ist deswegen so groß und erfolgreich geworden, weil nahezu jedes Produkt in 48 Stunden geliefert wird. Schnelle Zustellung ist in einer schnelllebigen Zeit DAS zentrale Serviceversprechen – und der Faktor, der professionelle Händler von den Amateuren unterscheidet. Wie die Ware zum Kunden nach Hause kommt, wird auch für die stationären Händler künftig zu einem bedeutsameren Thema. Schon heute verzichten viele auf ein eigenes Auto oder nehmen angesichts von Verkehr und Parkplatznot die Öffentlichen. Ikea in der Schweiz hat vor diesem Hintergrund einen Mitbring-Service eingeführt. Auf einem Portal lassen sich Bestellungen aufgeben, die von anderen mitgebracht werden.

Mobile Commerce als Scharnier zwischen Online und Offline

Mobile Shopping steckt hierzulande zwar noch in den Kinderschuhen. Doch werden Smartphone und Tablet-Computer den Handel der Zukunft revolutionieren. Das mobile Internet ist jedoch weniger ein klassischer Verkaufskanal als ein unterstützendes Tool für den stationären Händler, den mobilen Nomaden zurück in den Laden zu locken und die In-Store-Umsätze anzukurbeln. Aus folgenden Gründen:

  • Sofortige Preisvergleiche für den Kunden ermöglichen und mit Zusatzleistungen punkten.
  • Verschmelzung zwischen physischem und virtuellem Shopping-Erlebnis.
  • Einfache Bezahlabwicklung im Store via Mobile Payment.
  • Analyse von Nutzungsdaten zur Optimierung der Warenpräsentation und Sortimentsauswahl.

Der Handel der Zukunft ist sowohl technologisch wie auch sozial getrieben. Er vereint das Beste beider Welten wie er auch Online und Offline miteinander versöhnt. Der Händler von morgen ist Programmierer und Psychologe.


Empfehlen Sie uns weiter

© 2019 mio-magazin.de ist eine Website des Marketing Clubs Regensburg e.V.