the power behind power

mio01-2014> Exklusiv Interview

Dr. Nicolas Maier-Scheubeck, dem geschäftsführenden Gesellschafter der Maschinenfabrik Reinhausen im Interview mit Jacqueline Heimgärtner: Interessante Einblicke in die Geschichte und Zukunft eines Global Players aus der Region.

Jacqueline Heimgärtner: Herr Dr. Maier-Scheubeck, als Berufsverband legen wir einen besonderen Fokus auf das Thema Marketing. Deshalb möchte ich Ihnen zu allererst zu den Auszeichnungen Gold und Bronze beim Best of Business-to-Business Award gratulieren. Welcher Aspekt Ihrer preisgekrönten Kampagne „The Power behind Power“ ist für Sie am wichtigsten? 

Scheubeck: Auf die Auszeichnung als beste Business-to-Business-Kampagne des Jahres 2012 sind wir aus mehreren Gründen sehr stolz. Grundlage dieser crossmedialen Kampagne waren eine Strategie zur Runderneuerung des Produktportfolios und des Firmenauftritts nach außen und innen. Zusammen mit Mitarbeitern und Kunden haben wir eine Positionierung erarbeitet und daraus einen Claim abgeleitet, der unsere Marke neu auflädt und unsere strategischen Ziele perfekt kommuniziert. „The Power behind Power“ bringt die Leistungen und das Selbstverständnis der Maschinenfabrik Reinhausen präzise auf den Punkt: Wir sehen uns als das verlässliche Rückgrat der Energieübertragung und -verteilung, und dazu müssen wir uns nicht in den Vordergrund stellen. Dazu passt auch das behutsam weiterentwickelte Logo, das gegenüber der Vorgängerversion deutlich an Plastizität gewonnen hat und technische Exzellenz in globalem Maßstab vermittelt. Besonders schön fand ich, dass unser Marketing seine Stärken ausspielen und die große Bedeutung einer klaren Markenpositionierung und Markenführung zeigen konnte.

JH: Sie haben schon angesprochen, dass die Kampagne crossmedial angelegt war – könnten Sie auf diesen Punkt etwas näher eingehen?

Scheubeck: Das war einer der Aspekte, für die wir ausgezeichnet wurden: Die beste Integration neuer Medien. Wir sind ohnehin bundesweit im Social Media Ranking der B2B-Unternehmen unter den Top 10. Wir haben sehr viele Follower und sehr dynamische Kontakte. Das ist bei uns eng mit unserem restlichen Auftritt verzahnt. Durch Social Media fördern wir auch ganz bewusst den Verkehr auf unserer Website – eine schöne Synergie der Kanäle. Wir verfolgen hier sehr dezidierte Strategien und bedienen diese Medien auch von unterschiedlichen Seiten – mit großem Erfolg, wenn man bedenkt, dass wir weltweit eine vergleichsweise schmale Kundenbasis haben.

JH: Wäre das auch die Empfehlung, die Sie anderen Firmen mitgeben würden, um in diesem stetigen Wandel zu bestehen? Optimale Verknüpfung und Verzahnung der Unternehmenskommunikation?

Scheubeck: Grundsätzlich muss die Kommunikationsstrategie zum Unternehmen passen. Für uns ist es wichtig, dass wir global einen engen Kontakt zu unseren Kunden und deren Kunden halten, ganz im Sinne unseres Reverse Marketing-Ansatzes, während wir lokal unsere Arbeitgeberattraktivität auf einem hohen Niveau halten wollen. Schließlich weiß man nie, aus welchem Blickwinkel der einzelne User das Social Media-Angebot nutzt: Das kann ebenso ein Student oder Schüler auf der Suche nach einem Praktikumsplatz sein, wie ein hilfesuchender Nutzer eines unserer Geräte. Wir haben schon aus Algerien Aufträge über Twitter bekommen, weil dort der Kunde in den Wirren des arabischen Frühlings keinen lokalen Ansprechpartner gefunden hat. Insofern muss man einfach wissen, warum man das Ganze macht. Sicher gehört es ein wenig zum guten Ton, aber es ist ein relativ großer Aufwand und erfordert eine teure Infrastruktur. Wir haben zum Beispiel Spezialisten für Social Media und eine Kommunikationsabteilung. Für uns ist dieser Fokus auf Kommunikation und Vernetzung mehr als nur Werbung – eher eine Möglichkeit zum direkten Kontakt mit Betreibern und Interessenten. Da fließen wertvolle Informationen in beide Richtungen, sodass für uns der Nutzen den Aufwand in jedem Fall rechtfertigt.

JH: Aufträge über Twitter aus Algerien? Das bedeutet, dass Sie Ihre Social Media-Präsenz auch mehrsprachig betreuen?

Scheubeck: Richtig. Wir unterstützen acht Kernsprachen und versuchen, die Kanäle so oft wie möglich in der Breite unseres Sprachenspektrums zu adressieren. Auch wenn wir natürlich nicht den kompletten Social Media-Bereich in acht Sprachen kommunizieren können. Chinesisch spielt zum Beispiel für uns eine große Rolle.

JH: Digital befinden wir uns momentan an einem großen Wendepunkt, nicht nur durch Social Media. Welche Weichenstellung war für Ihr Unternehmen in der Vergangenheit besonders wichtig? 

Scheubeck Zäsuren gab es seit der Unternehmensgründung 1868 einige. Die Erfindung des Stufenschalters 1929 markiert einen solchen Einschnitt, weil wir uns dadurch vom Maschinenbauer allgemeiner Art zu einem Spezialisten in der elektrischen Energietechnik entwickelt haben. 2001 haben wir unser 100-jähriges Markenjubiläum gefeiert, was belegt, dass wir uns schon sehr früh auf eine qualitätsorientierte Premium-Politik konzentriert haben.

2018 steht unser 150-jähriges Gründungsjubiläum an. 1868 wurde der Grundstein unserer tiefen Verwurzelung am Standort gelegt als Familienunternehmen in der mittlerweile fünften Generation. Nach dem Krieg gab es natürlich die Internationalisierungs- und Exportwelle. Unsere ersten Tochtergesellschaften wurden in Brasilien und Australien gegründet. Das war nicht gerade naheliegend für ein Regensburger Unternehmen – viele hatten damals eher an Italien oder Österreich gedacht. Dann gab es natürlich auch immer wieder große technologische Veränderungen, bei denen wir den Rhythmus der Branche durch grundlegende Innovationen immer wieder neu bewegen konnten.

Wir hatten also schon viele Meilensteine, aber dazwischen gibt es natürlich auch einen langen, kontinuierlichen Fluss, in dem wir gezielt Strategien entwickeln und sie konsequent umsetzen. Das war schon immer die Stärke der MR – auf sehr nachhaltige Weise Kundenprobleme zu lösen und so unsere Position zu verbessern.

JH: 50 Prozent der elektrischen Energie weltweit fließt durch die Produkte der Maschinenfabrik Reinhausen. Welche Perspektiven ergeben sich aus dieser führenden Position auf dem Weltmarkt?

Scheubeck: Momentan arbeiten wir intensiv an unserem Geschäftsmodell. Die Bedürfnisse der Kunden wandeln sich aus ganz unterschiedlichen Gründen; daraus ergeben sich Chancen zur vorteilhaften Positionierung. Wir investieren deswegen verstärkt in den Bereich Asset Management, um eine optimale Betreuung der alternden Infrastruktur zu gewährleisten. Viele Betreiber interessieren sich für lebensverlängernde Maßnahmen – die Energieversorger wollen sparen und Investitionen in neue Infrastruktur möglichst vermeiden. Und dann sollen eben Geräte, die schon 60 Jahre laufen, nochmal 20 Jahre länger betrieben werden, natürlich bei 99,99% Verfügbarkeit, und kosten soll es auch nichts. Das ist eine Herausforderung, die Expertise zu Betriebsprozessen und Material erfordert, auch den Mut, Bewertungen abzugeben. Und genau da sind wir hervorragend aufgestellt, da unsere Produkte an einer kritischen Stelle der Energieversorgung zum Einsatz kommen und wir unsere Schlüsselkompetenzen kontinuierlich pflegen und erweitern.

JH: Heutzutage kann theoretisch jeder Haushalt selbst Energie erzeugen. Stellt diese Entwicklung hin zum bidirektionalen Energie-fluss die MR vor neue Herausforderungen?

Scheubeck: Da kommen die Themen Digitalisierung, Automatisierung und Asset Management ins Spiel. Die Infrastruktur ist über Jahrzehnte gewachsen und kann sich nicht so schnell ändern, dass sie den sich wandelnden Bedürfnissen der Kunden sofort gerecht wird. Hier muss mit punktuellen Änderungen Neues etabliert werden, und da sind wir weit vorne dabei. Als „König der Nische“ müssen wir einfach viel agiler sein als Großunternehmen, das gehört elementar zu unserem Selbstverständnis. Wir wollen die Branche bewegen.

JH: Die Eigentümter der MR engagieren sich in der Scheubeck-Jansen Stiftung für die regionale Förderung von Wissenschaft und Bildung. Welche Maßnahmen zur Bildung und Weiterbildung stehen auf dem Programm der MR?

Scheubeck: Wie jedes große Unternehmen betreiben wir systematische Personalentwicklung. Dazu gehören fachbezogene und -übergreifende Fortbildungsprogramme für Talente, Trainees und Führungskräfte. In diesem Rahmen werden von uns zum Beispiel jedes Jahr 14 ausgewählte Nachwuchs-Führungskräfte in einem speziellen Förderprogramm berufsbegleitend ausgebildet. Dazu bieten wir natürlich ein duales Studium an, Seminarprogramme, E-Learning – das ganze Spektrum eben. Dabei versuchen wir, möglichst viel inhouse anzubieten, um die Inhalte praxisnah zu gestalten und auf die Anforderungen vor Ort auszurichten. Zusätzlich sind wir aber zum Beispiel seit vielen Jahren Mitglied in einem Weiterbildungsverbund mit anderen ostbayerischen Unternehmen, um die überbetriebliche Vernetzung zu fördern und Top-Referenten in die Oberpfalz zu holen.

Mit der Scheubeck-Jansen Stiftung setzen wir uns vor allem für eine klare Schwerpunktbildung bei der Entwicklung des Hochschulsystems im Raum Regensburg ein. Wir haben bisher zwei Lehrstühle an der OTH gestiftet – Sensorik und Biomedical Engineering – die mit dem Industriebesatz vor Ort gut zusammenpassen. Hier werden auch verschiedene Partner, wie etwa das Sensorik-Cluster, ins Boot geholt. Beim Thema Biomedical Engineering bildete die Zusammenarbeit von Chirurgen des Uniklinikums mit Maschinenbau-Ingenieuren der FH die Keimzelle für eine auf Ingenieurswissenschaft und Informatik basierende systematische Durchdringung medizinischer Phänomene in Verbindung mit unmittelbarer medizinischer Praxis.

JH: Sind hier Synergieeffekte der Knackpunkt?

Scheubeck: Echter Fortschritt entsteht an den Rändern des Wissens und der Zuständigkeiten. Dort ist oftmals der Brückenschlag zwischen unterschiedlichen Disziplinen und Institutionen zu organisieren – das ist die von der Scheubeck-Jansen Stiftung zu leistende Inkubator-Funktion. Daneben fördern wir mit einer Vielzahl von Projekten natürlich auch die Praxisorientierung von Studenten und Auszubildenden. Wir beraten auch Lehrer, Ausbilder und Erzieher dabei, wie man die Technikneigung bei Kindern und Jugendlichen erhalten und stärken kann – quasi von der Krabbelstube an. Und natürlich vergeben wir Stipendien und Auszeichnungen. In Regensburg haben wir da phantastische Möglichkeiten: Die Physik-Fakultät der Universität Regensburg verfügt über ein preisgekröntes Labor für Didaktik der Naturwissenschaft und Technik. Das bietet alle Voraussetzungen für eine wirksame Technikvermittlung. Und genau hier wollen wir weiter Unterstützung leisten: Durch die Vernetzung bereits vorhandener Institutionen zum Nutzen der Region und der hier lebenden Menschen. Uns geht es dabei vordergründig gar nicht darum, Geld zu verteilen, sondern den Lehrkräften eine Blaupause für die Vermittlung von technischem Wissen – und vor allem Technik-Begeisterung – zur Verfügung zu stellen. Wir möchten, dass Technik für Kinder und Jugendliche wieder erfahrbar wird. Warum soll man zum Beispiel nicht einer Schulklasse das Prinzip der Hydraulik erklären, indem man den Stuhl des Lehrers mit vier Einwegspritzen und einer Luftpumpe anhebt – mitsamt dem Lehrer drauf?

JH: Sie stützen durch solche Projekte den Standort Regensburg, wie profitiert die MR als Unternehmen davon?

Scheubeck: Ganz uneigennützig sind wir nicht unterwegs und das ist auch völlig legitim. Regensburg ist ohnehin ein sehr attraktiver Standort, und wenn wir die Technikneigung der Menschen hier stärken, steigt natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich auch beruflich mit technischen Themen beschäftigen. Und vielleicht mit der MR einen Arbeitgeber finden, der diese Expertise zu schätzen weiß. So legen wir auch den Grundstein für exzellente Fachkräfte von morgen.

JH: Zum Abschluss noch ein Blick in Ihre persönliche Kristallkugel: Wie sehen Sie die Maschinenfabrik Reinhausen in 40 Jahren?

Scheubeck: In 40 Jahren wird das Unternehmen fast 190 Jahre alt sein. Ich denke, zu diesem Zeitpunkt werden wir noch sehr viel größer als heute, aber immer noch in der elektrischen Energietechnik tätig sein. Wir werden mit Sicherheit mehr Leistungen im Ausland erbringen, als wir es schon heute tun. Wo die Verteilung der Wertschöpfung zwischen Inland und Ausland heute etwa 80 zu 20 beträgt, werden wir uns in Zukunft wohl bei einem Verhältnis von ungefähr 50 zu 50 bewegen. Regensburg wird nach wie vor größter Standort und gleichzeitig die Zentrale des Unternehmens sein. Unsere Arbeit wird im Jahr 2054 sehr viel Software-gestützter ablaufen und viel weniger Geräte-spezifisch. Auch die Beratungsintensität unserer Dienstleistungen wird sich wohl sehr stark erhöhen, um den sich stetig wandelnden Anforderungen unserer Kunden gerecht zu werden. Diese Entwicklungen sehe ich als die entscheidenden Trends für die Zukunft. Aber wie es auch kommen mag und wie sich Wirtschaft, Wissenschaft und Märkte in den nächsten Jahrzehnten entwickeln mögen – ich bin mir ganz sicher, dass man uns auch in 40 Jahren noch braucht. Nur die Technologien, mit denen wir unsere Leistungen erbringen, die werden sich grundlegend wandeln.

JH: Herr Dr. Maier-Scheubeck, vielen Dank für das Gespräch!


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