Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft oder wer hat‘s erfunden?

mio02-2013> Forstwirtschaft

Die Forstwirtschaft lebt vor, wie die heutige Generation aus dem Wald Nutzen ziehen kann, ohne dabei der Natur oder den nächsten Generationen zu schaden.

Im Jahr 2013 jährte sich die Prägung des Begriffs der Nachhaltigkeit durch den sächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (Sylvicultura Oeconomica, 1713) zum dreihundertsten Mal.

Im Jahr 2013 jährte sich die Prägung des Begriffs der Nachhaltigkeit durch den sächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (Sylvicultura Oeconomica, 1713) zum dreihundertsten Mal. Auch wenn es bereits ab dem früheren Mittelalter Ansätze nachhaltiger forstlicher Nutzungssysteme in Europa gab, gilt sein Werk als eine der ersten geschlossenen Abhandlungen über eine nachhaltige Waldbewirtschaftung in Deutschland und damit als Ausgangspunkt der Entwicklung einer auf wissenschaftlichen Grundlagen basierenden Forstwirtschaft. Aufgrund dieser Tradition ist die Nachhaltigkeit bzw. das Nachhaltigkeitsverständnis fest in der Forstwirtschaft verankert.

Dieses tiefe Nachhaltigkeitsverständnis ist aus der Not geboren: Zu Beginn der Neuzeit erreichte die Waldzerstörung ihren Höhepunkt: Intensivste und sich gegenseitig überlagernde Nutzungen der Wälder als Waldweide für das Vieh sowie zur Brenn- und Bauholzgewinnung ließen die Waldflächen zusammenschmelzen. Holznot allerorten war die Folge. Als Antwort auf diese Holznot setzte die Forstwirtschaft bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts zum Ausgleich verbreitet auf vergleichsweise schnellwachsende Nadelholzmonokulturen, die in Form sogenannter Altersklassenwälder das Waldbild im 20. Jahrhundert wesentlich prägten. Diese „Massennachhaltigkeit“ (nicht mehr ernten als nachwächst) barg jedoch Risiken und man begann in der Folge, ökologische Überlegungen einzubeziehen. Seit mehreren Jahrzehnten werden als Ergebnis daraus reine Nadelwälder sukzessive in strukturierte Mischwälder „umgebaut“. Ziel sind leistungsfähige, stabile, gestufte Mischwälder und naturnahe Ökosysteme mit einer hohen Artenvielfalt.

Diese Zusammenhänge geraten zunehmend in Vergessenheit. In Verbindung mit einer zunehmend inflationären und überwiegend sinnentstellenden Verwendung des Begriffs der Nachhaltigkeit droht heute das gesellschaftliche Vertrauen in die deutsche Forstwirtschaft im Umgang mit einer der wichtigsten natürlichen Ressourcen in Deutschland – dem Wald – zu schwinden. Die Nachhaltigkeit ist Teil und auch Opfer eines Hypes, eines inszenierten Begeisterungssturmes. Von diesem Hype weitgehend unbeachtet, spielt die Nachhaltigkeit immer noch die entscheidende Rolle in der Forstwirtschaft. Denn gerade die integrative, naturnahe Forstwirtschaft vermag wie kaum eine andere Form der Landnutzung den unterschiedlichen gesellschaftlichen Ansprüchen gerecht zu werden. Mit ausgeklügelten Konzepten lassen sich Schutz und Nutzung vereinbaren: So werden die Bäume einzelstammweise genutzt, auf Kahlschlag wird konsequent verzichtet, Totholz als elementares Strukturmerkmal für mehr Artenvielfalt im Wald angereichert, Biotopbäume dauerhaft geschützt und der Wald in langen Verjüngungszeiträumen vorzugsweise natürlich verjüngt. Dies führt zu ungleichaltrigen, gestuften, gemischten und stabilen Wäldern.

Nutzung und Schutz sind so kein Widerspruch: Die Forstwirtschaft lebt vor, wie die heutige Generation aus dem Wald Nutzen ziehen kann, ohne dabei der Natur oder den nächsten Generationen zu schaden. Dies ist der Kern der forstlichen Nachhaltigkeit. Sie diktiert das unternehmerische Handeln.

Als vor 300 Jahren Hans Carl von Carlowitz den Begriff der „Nachhaltigkeit“ in der Sylvicultura oeconomica erstmals prägte, hätte er sich sicher nicht träumen lassen, welch omnipräsente Verwendung und Bedeutung diese Wortneuschöpfung als kollektiver Hoffnungsbegriff im 21. Jahrhundert so erlangen würde. Wann immer jemand betonen will, dass er „sicher“, „langfristig“ und „weitsichtig“ denkt und handelt, (miss-) braucht er den Begriff der Nachhaltigkeit, der so mehr und mehr zu einer Worthülse verkommt.

Die Bayerischen Staatsforsten haben sich der Nachhaltigkeit verschrieben, das Leitbild „nachhaltig wirtschaften“ wird in unserer täglichen Arbeit konsequent umgesetzt, es durchdringt jeden Betrieb und jeden Bereich – auch die Unternehmenskommunikation. Dabei sehen wir uns mit Fug und Recht in bester Carlowitz‘scher Tradition. Aus diesem Grund ist die Kommunikation der Bayerischen Staatsforsten eine ausschließliche CSR-Kommunikation. Dies unterscheidet unsere Kommunikation – oder besser noch die Kommunikation der Forstwirtschaft – grundsätzlich von anderen Wirtschaftsbereichen.

Die Nachhaltigkeits-Erfahrungen der letzten 300 Jahren Forstwirtschaft haben uns geprägt. Hans Carl von Carlowitz hat mit der „Nachhaltigkeit“ nicht nur einen kulturellen Leitbegriff geschaffen, sondern uns eine Geisteshaltung vermittelt, die uns in unserem täglichen Tun als Richtschnur dient. CSR-Kommunikation ist für uns daher kein zeitgemäßes Must-have, sondern angesichts unseres Geschäftsbereichs, Selbstverständnisses und der langen forstlichen Tradition innerste Überzeugung, die wir Tag für Tag leben.

Hinweis: Dieser Text ist ein Auszug aus einem Beitrag, den die Autoren für das im November 2013 erscheinende Buch „CSR und Kommunikation – Unternehmerische Verantwortung überzeugend vermitteln“ verfasst haben.


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